Soll eure Power App einer Prüfung standhalten?
Wir gehen mit dir die zehn Go-Live-Fragen durch und sagen dir ehrlich, wo deine App schon trägt und wo noch ein Risiko schlummert — bevor es jemand anderes findet.
„Ist Power Apps DSGVO-konform?" ist die falsche Frage. Die richtige lautet: „Können wir mit Power Apps eine DSGVO-konforme Anwendung bauen — und tun wir es auch?" Eine Plattform kann jede technische Voraussetzung erfüllen und trotzdem die Bühne für einen Datenschutz-Vorfall sein, wenn niemand die Voraussetzungen nutzt.
Dieser Artikel trennt sauber, was Microsoft liefert, was du verantwortest und was im Mittelstand schiefgeht. Er gehört zum Power-Platform-Leitfaden für den Mittelstand und ergänzt Power Automate und Kosten und Projektdauer.
DSGVO-Konformität ist kein Schalter, den Microsoft umlegt. Sie ist eine geteilte Verantwortung, und der größere, riskantere Teil liegt bei dir.
Microsoft liefert die technische Grundlage (EU-Rechenzentren, Verschlüsselung, AV-Vertrag, Zertifizierungen, Sicherheitswerkzeuge — siehe Grafik). Du verantwortest die eigentliche Arbeit: Datenminimierung, Rollenkonzept, Löschkonzept, Rechtsgrundlage, Betroffeneninformation, Verarbeitungsverzeichnis, Folgenabschätzung — und die Disziplin, dass niemand „mal eben" einen Flow baut, der Personaldaten in ein Drittsystem schiebt. Die unbequeme Wahrheit: Microsofts Teil ist eingekauft; deiner ist Arbeit, die kein Anbieter dir abnimmt — und genau dort entstehen die Vorfälle.
Zwei Dinge gehören vor dem Produktivstart geklärt — dokumentiert, nicht „haben wir bestimmt".
Datenresidenz. Power Apps und Dataverse speichern Daten in der Region des Tenants. Für einen deutschen Mittelständler heißt das: EU-Region wählen, EU-Datengrenze aktivieren, prüfen, ob einzelne Konnektoren oder KI-Funktionen Daten außerhalb verarbeiten. Der Klassiker-Fehler: die App ist sauber in der EU, aber ein Premium-Konnektor zu einem US-Dienst zieht Daten unbemerkt heraus. Eine saubere Dataverse-Architektur macht das beherrschbar.
Auftragsverarbeitung. Das Data Protection Addendum gilt, ersetzt aber nicht deine eigene Dokumentation: Verarbeitungsverzeichnis, Rechtsgrundlage je Datenkategorie und — bei umfangreichen oder sensiblen Daten — eine Datenschutz-Folgenabschätzung. Keine Bürokratie um ihrer selbst willen, sondern das, was du im Ernstfall vorlegen musst — am Anfang fast kostenlos, nachträglich ein Vielfaches.
Aus unseren Projekten — die fünf häufigsten echten Schwachstellen:
Keiner dieser Punkte ist ein Plattform-Fehler. Alle sind Disziplin-Fehler — und genau deshalb vermeidbar.
„Enterprise-ready" ist ein Marketingwort, bis man es operationalisiert. Für uns heißt es vier nachprüfbare Dinge: Umgebungstrennung und ALM (Entwicklung, Test und Produktion getrennt, Änderungen über Lösungen statt Copy-Paste), Identität und Zugriff (Anmeldung über Entra ID, möglichst mit bedingtem Zugriff und Mehr-Faktor, keine geteilten Konten, keine Flows auf persönlichen Konten — die Lehre aus dem Power-Automate-Ownership-Problem), Nachvollziehbarkeit (Audit-Protokolle aktiv und ausgewertet) und Resilienz (Monitoring, benannter Verantwortlicher, Wiederanlaufplan).
Diese vier Punkte unterscheiden professionelle Power-Apps-Entwicklung von ambitionierter Bastelei. Die Plattform kann alle vier — von selbst tut sie es nicht.
Keine 80-Punkte-Liste, sondern die zehn Fragen, die wir vor jedem Produktivstart durchgehen:
Wer alle zehn ehrlich mit „ja" beantwortet, hat keine perfekte App — die gibt es nicht — aber eine, die einer Prüfung standhält. Genau das ist der Unterschied zwischen „läuft" und „enterprise-ready".
Power Apps liefert jede technische Voraussetzung für DSGVO-konforme, enterprise-taugliche Anwendungen. Aber die Plattform macht deine App nicht konform — das tust du, durch Datenminimierung, ein Rollenkonzept, ein Löschkonzept und gelebte Governance.
Drei Sätze zum Mitnehmen: Microsofts Teil ist der eingekaufte Teil — deiner ist die eigentliche Arbeit. Fast jeder Vorfall ist ein Disziplin-Fehler, kein Plattform-Fehler. Und „enterprise-ready" ist kein Zustand, sondern eine Liste bewusst getroffener Entscheidungen — am besten vor dem ersten produktiven Datensatz.
Wir gehen mit dir die zehn Go-Live-Fragen durch und sagen dir ehrlich, wo deine App schon trägt und wo noch ein Risiko schlummert — bevor es jemand anderes findet.